Warum ich seit 1. Dezember vegan lebe

Vegane Plätzchen mit Nussmuss und Ingwer

Viele Yogis leben vegan. Weil sie sich so besser fühlen, weil sie gut ohne tierische Produkte auskommen. Vor allem aber, weil sie alles andere nicht mit sich vereinbaren können.

In Patanjalis Yoga Sutra, DEM Yoga-Grundlagen-Text, wird in Kapitel 2.35 über die Yamas gesprochen. Die fünf Verhaltensempfehlungen, auf der die Yogi-Ethik aufbaut, die aber eigentlich für jeden auf dieser Welt gelten sollten. Der Vers beginnt mit Ahimsa. Das ist Sanskrit und bedeutet so viel wie Gewaltlosigkeit. Aber auch Liebe. Liebe für jedes Lebewesen auf dieser Erde. Die Akzeptanz dessen und die Abkehr von Gewalt und Schmerz.

Umso logischer erscheint es auch mir, mich vegan zu ernähren. Mit meiner Essgewohnheit niemandem Leid zuzuführen. In letzter Zeit tauchte dieser Gedanke immer häufiger in meinem Kopf auf. Der Anblick von Fleisch und Fisch löste immer häufiger ein Ekel-Gefühl aus. Durch den Podcast von Yoga Girl Rachel Brathen wurde ich auf James Aspey aufmerksam.

Mein Frühstück: Warmes Porridge mit Ayurveda-Gewürzen und Granatapfel-Kernen

Er ersetze Krebs, Drogen & Bulimie durch Veganismus, Surfen & Meditation
James ist ein 29-jähriger veganer Animal-Rights-Aktivist aus Australien, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, der Welt zu zeigen, dass wir auch ohne tierische Produkte auskommen können. Nach einer Leukämie-Diagnose im Alter von 17 Jahren folgten bei ihm eine Essstörung und Drogenabhängigkeit. James traf schließlich auf einen Inder, der ihm klarmachte, dass das Verspeisen von tierischen Produkten für schlechtes Karma im Körper sorgt. Er wagte einen 7-tägigen Test und fühlte sich großartig. Zuerst vegetarisch, dann vegan versucht James seither seine Stimme für eine Welt ohne Ausbeutung und Leid stark zu machen. Unter anderem mit der Challenge 22+.

22 Tage lang versucht man vegan zu leben – mithilfe von veganen Rezepten, einem Mentor, der einen bei Fragen unterstützt und einer Facebook-Community, die sich gegenseitig stärkt. Diese Challenge startete für mich am 1. Dezember. Ziel war der 22. Dezember. Extra vor Weihnachten, weil ich mir nicht sicher war, ob ich die Festtage vegan überstehen würde…

Veganer Glühwein: Auch die Weihnachtszeit kann man wunderbar fleischlos überstehen.

Spontane Weihnachtsmarkt-Besuche werden zur Herausforderung
Meine Mentorin Emma versorgte mich am Anfang gleich mit einer Einkaufsliste und fragte besondere Herausforderungen ab. Schnell wurde mir klar: Wer vegan leben möchte, muss sein Essen planen beziehungsweise für alle Eventualitäten mit Selbstgekochtem gewappnet sein. Am Anfang fand ich genau das mühsam. Ständiges Vorkochen und Vorplanen für die Woche erschienen mir umständlich. Spontane Besuche auf dem Weihnachtsmarkt endeten anfangs oft mit Hunger, denn auch wenn es an vielen Ständen mittlerweile veganen Glühwein gibt (nein, Wein ist nicht immer vegan. Oftmals wird er durch Gelatine, Casein, Hühnereieiweiß oder Fischbestandteile geklärt), veganes Essen sucht man fernab der Tollwood oder dem Märchenbazaar (alternative Weihnachtsmärkte in München) vergeblich.

Doch ich lernte dazu. Am Wochenende gebackene vegane Plätzchen oder Bananenbrot kann man wunderbar in der Handtasche verstauen und hat so jederzeit etwas Essbares griffbereit. Nüsse und Datteln gehören seit dem 1. Dezember ebenfalls zu meiner Notfall-Versorgung.

Und obwohl ich die Vorweihnachtszeit gut überstand, bereitete mir das Weihnachtsfest immer noch Kopfzerbrechen. Denn auch nach dem 22. Dezember stand für mich fest: Ich würde weiterhin vegan leben. Mir fehlte nichts. Ehrlicherweise kann ich nicht von großartigen Transformationen berichten – dafür lebte ich vermutlich auch vor dem 1. Dezember zu fleischlos. Aber auch wenn auf der Waage kein Trend nach unten zu verzeichnen war, mein Gewissen fühlte sich leider an. Und immer noch stand Weihnachten bevor…

Vorbereitung ist alles!
Ein 4-Gänge-Menü am 24. Dezember, Raclette am 25. Dezember, ein Brunch am 26. Dezember. Vorsichtig kündigte ich im Vorfeld meine neue Ernährung an. Nach der ersten Reaktion (entweder aufgeregtes Lachen oder zweifelndes Staunen) wollten die meisten mehr wissen. Nicht zum ersten Mal musste ich aufklären, dass weder Butter noch Eierspeisen in einem veganen Ernährungsplan vorgesehen sind. Ich versicherte, dass sie bei der Essensplanung keine Rücksicht auf mich nehmen müssten, sondern dass ich selbst für veganen Ersatz sorgen würde.

Und so verbrachte ich den 23. Dezember mit meiner Mutter in der Küche und bereitete einen veganen Dip, vegane Pizzastangen, Plätzchen ohne tierische Produkte und veganes Bananenbrot vor. Zudem fragten wir uns im heimischen Supermarkt zum veganen Sortiment durch und versorgten uns mit veganem Käse und veganem Rotwein.

Veganes Schokomousse aus Avocado, Banane und Kakaopulver

Um es kurz zu machen: Ich habe Weihnachten hervorragend überstanden. Habe gut und viel gegessen, vegane Beilagen mit meinen vorbereiteten Speisen kombiniert und nicht einen Moment das Gefühl gehabt, etwas zu verpassen.

Vegan hört nicht beim Essen auf
Deshalb steht für mich fest: Ich werde mich weiter vegan ernähren. Ob das für immer so bleiben wird, weiß ich nicht. Auch meine 15-jährige Vegetarier-Phase fand mit 30 Jahren plötzlich ein Ende. Doch geht es hier um so viel mehr als den Geschmack. Wie kann ich auf der Matte von liebevoller Güte sprechen und fernab genau das mit meinem Speiseplan missachten? Und nicht nur mit meiner Ernährung: Tierische Kleidungsstücke oder Kosmetik und Medikamente, die an Tieren getestet werden, sind genauso unnötig wie tierische Essensprodukte. Mein Vorhaben für 2018 steht damit: Ich möchte versuchen, ein veganes Leben in allen Bereichen umzusetzen. Das wird nicht immer leicht sein, aber wer wäre ich, wenn ich es nicht versuchen würde?

Update am 13. Mai 2018: Ich esse  wieder tierische Produkte. Mein Körper hat gerade einfach große Lust danach – und der möchte ich nachgeben. Das zu tun, wonach man sich gerade fühlt. Auf den Körper und den Geist zu hören. Auch das ist Yoga.