Wie Routinen mein Leben verändert haben

Be happy - mit meiner Morgenroutine aus der Ayurveda klappt das leichtRoutinen hören sich erstmal ziemlich langweilig an. Beamte haben Routinen, Murmeltiere haben Routinen. Aber ich doch nicht! Ich bin spontan, sprunghaft, wild. Heute hier, morgen da, dazwischen woanders.

Und genau deshalb war das Integrieren von Routinen in meinem Leben so wichtig. Denn Routinen verleihen Struktur und Sicherheit. Man kann sich auf sie verlassen, der Kopf kann zur Ruhe kommen. Mittlerweile weiß ich genau, was ich morgens früh wann erledige, wie viel Zeit ich mir für meine Morgen- und Abend-Routine einplanen sollte. Und warum mache ich das alles? Weil ich die positive Wirkung spüren konnte und niemals wieder missen will.

Der Ayurveda Tag startet um 5:45 Uhr
Wie sieht also ein typischer Start in den Morgen bei mir aus? Nach bestenfalls 8 Stunden Schlaf klingelt mein Wecker um kurz vor 6. Einerseits, um meine Morgenroutine in Ruhe unterzubringen, aber auch weil der Stoffwechsel um diese Zeit auf Hochtouren arbeitet. Laut der Ayurveda-Philosophie zählt die Zeit zwischen 2 und 6/7 Uhr morgens zum Dosha Vata und ist deshalb prädestiniert für Aktivität und Antrieb. Deshalb sollte man auch versuchen, bis 7 Uhr morgens zumindest eine Kleinigkeit zu essen. Denn danach ist Kapha-Zeit, was bedeutet, dass die Verdauung eher träge ist.

Ölziehen und Zungenschaben für die Morgenroutine
Mit Kokosöl und Zungenschaber starte ich in den Morgen

Zuerst Zungenschaben & Ölziehen
Ich starte also morgens um 5:45 Uhr mit Zungenschaben. Man kann hierzu auch einen Esslöffel verwenden, ich benutze einen Zungenschaber aus dem Drogeriemarkt. Mit diesem von hinten nach vorne über die Zunge reiben. So werden Bakterien, die sich in der Nacht abgesetzt haben, entfernt. Anschließend steht das Ölziehen auf dem Programm. Am Anfang eher gewöhnungsbedürftig, gehört es jetzt zu einem guten Start in den Morgen dazu. Ich nehme einen Teelöffel Kokosöl in den Mund und spüle dieses 5-10 Minuten im Mund hin und her, sauge es durch die Zähne. Zwischendurch immer wieder eine Pause einlegen, damit sich das Öl verteilen kann. Dann spucke ich das Öl in ein Taschentuch und schmeiße dieses in den Müll. Man sollte vermeiden, dass es in den Wasserkreislauf gelangt. Und wozu das alles? Auch das Ölziehen kommt aus dem Ayurveda und soll die Giftstoffe, die sich über Nacht im Mundraum angesammelt haben, binden und nach draußen befördern. Nachweislich hilft Ölziehen gegen Mundgeruch, Karies und sorgt für weißere Zähne. Auch das kann ich bestätigen 🙂

10 Minuten abgekochtes Wasser mit Ingwer
Heißes Wasser mit Ingwer ersetzt den Kaffee

Heißes Wasser ersetzt den Kaffee
Nach dem Ölziehen gründlich die Zähne putzen und erst dann dem Körper etwas zuführen. In meinem Fall ein Glas heißes, abgekochtes Wasser. Wer mag, packt noch eine Ingwerscheibe dazu – ich mag das Wasser am Morgen lieber pur. Das heiße Wasser regt die Verdauung an und sorgt wiederum dafür, dass die nächtlich angelagerten Giftstoffe aus dem Körper gespült werden. Für mich hat das Wasser noch einen positiven Nebeneffekt: Ich verzichte seitdem komplett auf Kaffee! Ohne Witz! Mir reicht das Wasser morgens, um den Kreislauf in Gang zu bringen und ich empfinde den Kaffeegeschmack seitdem als eher unangenehm.

Tägliche Meditation hilft mir beim Fokus-Setzen
Meditieren geht überall

Mit meinem Wasser geht’s dann auf die Yogamatte, wo ich erst einmal meditiere. Meist nicht länger als 10 Minuten, aber das genügt mir, um fokussierter und gelassener in den Tag zu starten. Wenn Du es mal ausprobieren willst, nimm dir am besten eine App (zum Beispiel „Headspace“ oder „Insight Timer„) zur Hilfe. Eine angeleitete Meditation ist gerade zu Beginn Deiner Praxis einfacher und auch ich greife heute immer mal wieder auf eine schöne Musik oder eine bestimmte Anleitung zurück. Danach startet meine Yoga-Praxis. Die Länge passe ich meiner zur Verfügung stehenden Zeit an. Es ist nicht wichtig, wie lang Du Yoga übst, sondern dass Du es überhaupt machst (vielleicht magst Du dir dazu meinen Artikel „Yoga every damn day“ durchlesen). Für mich gehört ein Handstand zur Morgen-Routine dazu. Durch die Umkehrhaltung wird der Kreislauf angeregt und ich kann mit einem Lächeln in den Tag starten.

Warmes Porridge mit Ayurveda Gewürzen
Warmes Porridge mit Ayurveda Gewürzen und Granatapfel-Kernen

Warmes Frühstück fürs Wohlfühlen
Dann geht’s ans Frühstück – was eigentlich immer aus warmen Porridge besteht. Auch ich dachte am Anfang: Wie langweilig! Aber mit Zutatenvariationen (Haferflocken, Amaranth, Quinoa, Leinsamen, Hanfsamen, Chiasamen, verschiedene Kerne),  Gewürzen (Ingwer, Vanille, Zimt, Kurkuma, Kardamom, Sternanis) und Toppings (Beeren, Apfel-Chutney, geraspelte Karotten) kann man hier unendlich variieren. In der ayurvedischen Ernährung ist es wichtig, die Gewürze zunächst mit Ghee oder Kokosöl (die vegane Version) anzubraten. Dann fügst du das Getreide hinzu und füllst das Ganze mit Pflanzenmilch auf. Während die leckere Mahlzeit vor sich hin köchelt, springe ich kurz unter die Dusche und mache mich fertig. Ich gönne mir dann ein, zwei Löffel von meinem warmen Haferbrei und verstaue den Rest in einem Thermobecher (ich habe einen von Esbit und kann ihn nur empfehlen). So kann ich das Porridge auf der Arbeit noch lauwarm genießen. Wichtig auch hier: Alles in Maßen. Im Ayurveda sagt man, dass die optimale Essensportion in eine Schale aus deinen beiden Händen passen sollte. Dass mit dem warmen Frühstück war auch für mich erstmal ungewohnt – aber heute möchte ich es nicht mehr anders machen. Es tut dem Körper so gut, die Energie nicht dazu zu gebrauchen, das Essen zu erhitzen, sondern zur Verdauung dessen.

Zugegeben, das hört sich jetzt alles ziemlich aufwändig an. Aber nach ein paar Wochen gehört es zum ganz normalen Aufstehen dazu. Ich gönne mir jeden Morgen etwa eineinhalb Stunden, um richtig in den Tag zu starten und meine Routinen zu integrieren. Natürlich ist das alles individuell adaptier- und auch in kürzerer Zeit machbar. Also probier es gerne aus!